Martin Kolbe

Ich werde einen kleinen Einblick in die Entwicklungswege des (individualistischen) Anarchismus in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts geben (vor allem auch in Verbindung mit dem Dadaismus), dann überleiten in die grösser räumige Gegenwart, wobei ich versuche die Aktualität und Unverzichtbarkeit anarchistischer Reflexionen herauszuarbeiten. Eventuell werde ich die Wissenschaftskritik von Paul Feyerabend in besonderer Weise hervorheben. Worum es geht, ist, die notwendige Funktion anarchistischer Ansätze in der allgemeinen künstlerischen Arbeit als ein unverzichtbares Element deutlich werden zu lassen. Ordnungssysteme sind immer von temporärer und räumlich bedingter Gültigkeit, sie wandeln sich mit Interessenverlagerungen und Wahrheitsempfindungen, die oft Folgen primär sich verändernder Erfahrungswerte sind. Im künstlerischen Prozess kommt aber der unmittelbaren Erfahrung die besondere, die unvergleichliche Dominanz zu, denn dann geht es ums „Erfinden“ von Regeln, die nicht oder kaum übertragbar sind. Welchen Kräften (zum Beispiel auch die anarchische Kraft der Phantasie) muss man in diesem oder jenem Moment den Spielraum überlassen? Wo lässt man zu, wo greift man ein?

 

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I will provide a small insight into the development of (individualistic) anarchism in the twenties of last century, especially in connection to Dadaism. Then I will move on to the general present where I will try to emphasize the timeliness and indispensability of anarchistic reflections. Possibly, I will stress the criticism of science by Paul Feyerabend. Mainly this is about highlighting the crucial and essential function of anarchistic approaches in general artistic work. Classification systems have only a temporary, spacial validity. They change when interests shift and the perception of truth relocates as they are only results of ever changing experiential values. During an artistic process, the direct experience dominates because it is about the „founding“ of new rules that can not, or only partially, be transferred. To which forces (for example the anarchist force of imagination) should which range of action be granted at this moment or the next? Where do you you allow a process to happen, where do you intervene?

Date

11. Mai 2011

Category

Denkwelten

Photo

courtesy of the artist